Prof. Dr. phil. habil. Theo Wehner

Sinnsuche und konkrete Utopien in der Freiwilligenarbeit

 

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Frei-gemeinnützige Arbeit für ein Gemeinwesen unterliegt individueller Sinngebung und autonomer Gestaltung. Sie tritt bisweilen in ein kompensatorisches Verhältnis zur Erwerbsarbeit oder steht gar in Konkurrenz zu dieser. Für das Gemeinwesen stellt sich die Frage nach dem Potenzial von Freiwilligenarbeit. Arbeitspsychologisch formuliert, gilt es dabei zu untersuchen: (1) Wodurch wird frei-gemeinnützige Arbeit motiviert, (2) welche Standards sind an die Arbeitsanforderungen zu richten und (3) wie kann sie organisiert werden? Obwohl die Freiwilligenforschung sozialpsychologisch "dominiert" ist, beginnen sich Konturen einer Arbeits- und Organisationspsychologie freiwilliger Arbeit sichtbar zu werden; die Probleme und Konflikte zwischen Freiwilligen und Erwerbtätigen liegen brach, Fragen der Führung und Kontrolle sind unbeantwortet: Hierauf will der Vortrag eingehen und primär die Freiwilligentätigkeit sowie deren organisationale Einbettung näher beschreiben.Häufig vertretene Antwort auf diese Fragen lautet etwa so: Frei-gemeinnützige Arbeit ist freiwillig und autonom organisiert, aber nicht privat; sie ist öffentlich wirksam und nachhaltig, aber nicht unter staatlicher Regie und Kontrolle; sie dient der Wertschöpfung, folgt aber nicht nur der ökonomischen Logik, sie dient individueller Sinngenerierung und ist dennoch kollektiv bedeutsam. Wie auch immer: Die Praxis der Frei-gemeinützigen Tätigkeiten geht ihrer Theorie voraus und fordert von daher Phantasie der Forscherinnen und Forscher auf diesem Gebiet.

 

 

Zur Person

  • geboren 27. März 1949 in Fulda (Hessen)
  • verheiratet, zwei Kinder

Werdegang

Theo Wehner ist seit Oktober 1997 ordentlicher Professor für Arbeits‐ und
Organisationspsychologie an der ETH Zürich und Leiter des Zentrums für Organisations- und Arbeitswissenschaften (ZOA).
Er studierte – nach abgeschlossener Berufsausbildung und mehrjähriger Angestelltentätigkeit – an der Universität Münster Psychologie und Soziologie.
Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten Münster und Bremen, promovierte und habilitierte sich 1986 ebenfalls dort. Von 1989 bis 1997 war er Professor für Arbeitspsychologie an der TU Hamburg‐Harburg.

 

Forschungsschwerpunkte

  • Handeln in komplexen Systemen und Organisationen (Spital, Schule),
  • Freiwilliges Tätigsein in der Gesellschaft und in Organisationen (in der Schweiz auch Miliztätigkeit, in der Kirchen‐, Schulpflege und der pol. Gemeinde)
  • Psychologische Risiko‐, Sicherheits‐ und Fehlerforschung in hoch‐komplexen Systemen
  • Verhältnis von Erfahrung und Wissen,
  • innovatives und kooperatives Handeln

In seiner Forschung ist ein sowohl quantitatives als auch qualitatives empirisches Vorgehen zentral, jedoch immer eingebettet in die betriebliche Lebenswelt und in enger Kooperation mit den Vertretern der Arbeitgeber‐ und Arbeitnehmerseite.

 

Theo Wehner an der ETH Zürich